So, habe heute endlich einmal wieder Zeit gefunden um den Blog erweitern. Die Zeit scheint hier förmlich zu verfliegen und das Wetter ist einfach zu verlockend um sich drinnen aufzuhalten. Was man sich bei dem Blick aus dem Fenster noch weniger vorstellen kann, ist das wir morgen schon Weihnachten haben.
Was hat sich also getan in unseren letzten Tagen und Wochen hier in Kapstadt.
Nach einigen Tagen der Eingewöhnung und Orientierung im Krankenhaus fanden wir uns gut zurecht. Die größte Barriere war jedoch die Sprache. Der englischen Sprache mächtig sein heißt nicht immer der englischen Sprache mächtig sein, wenn der Mensch der einem gegenübersteht Afrikaans als erste Sprache spricht. Es muss teilweise sehr lustig ausgesehen haben, wie ich dem Oberarzt an den Lippen gehangen habe, um dem Akzent Herr zu werden. Des Weiteren das Afrikaans selbst. Wenn ich Glück habe und sehr konzentriert zuhöre, kann ich zumindest ein bisschen verstehen, weil Teile der Sprache holländisch beinhalten. Aufgabentechnisch werden wir im OP und in der orthopädischen Ambulanz eingesetzt. Insgesamt dürfen wir viel machen. Im OP heißt das bohren, sägen, schrauben und nähen. In der Ambulanz untersuchen wir selbstständig Patienten, gipsen, machen Injektionen (zum Beispiel in Gelenke) und besprechen bei Aufnahme das weitere vorgehen gemeinsam mit den Doktoren.
Was mich sehr erstaunt hat, ist das sich die medizinischen Probleme hier nicht groß von denen in Deutschland unterscheiden. Kapstadt befindet sich in allen Ebenen auf der Schwelle zur westlichen Welt. Viele Menschen haben deshalb, neben den auf Grund von hygienischen Umständen und Infektionen bedingten Erkrankungen, auch Erkrankungen wie Diabetes, Arthrose und Bluthochdruck.
Freizeittechnisch haben wir es in der ersten Woche eher ruhiger angehen lassen. Die Temperaturen luden auch eher zu ausgedehnten Strandbesuchen ein, als sich auf irgendwelche Ausflüge aufzumachen. Einfach zu heiß!
Zu unserem, quasi Heimatstrand, wurde der Cliffton- Beach Nummer 4. Die Strände wurden uns auch wärmstens, von allen zur Verfügung stehenden Reiseführern, empfohlen. Der Strand ist ca. 15 bis 20 Minuten mit dem Auto von unserer Unterkunft an der Waterfront entfernt. Man fährt die ganze Zeit entlang des Wassers über Sea Point und Bantrys Bay bis man schließlich Cliffton erreicht. Der Strand liegt in einer Bucht mit Blick auf den Lionshead und den sich am Hang befindlichen, luxuriösen Residenzen der Kapstädter V.I.P’s. Es gibt vier Strände in Cliffton, die durch teilweise ins Meer ragende, riesige Felsen unterteilt sind.
Von Cliffton lohnt sich ein Abstecher nach Camps Bay, der Stadtteil, der sich unmittelbar unterhalb der Bergkette der zwölf Apostel befindet. Wie in Cliffton sind die Leute hier eher schicker unterwegs. Es lohnt sich aber, nach einem schönen Strandtag an der Strandpromenade in einem der schönen Cafes oder Restaurants, den Sonnenuntergang zu bestaunen.
Zum besseren Kennenlernen der Stadt machten wir uns am Mittwoch, unserem „Beachday“, auf die Stadt etwas näher zu erkunden. Hier zu unternahmen wir eine Stadtrundfahrt. Die roten City-Tour Busse sind quasi nicht zu übersehen und prägen damit auch ein wenig das Stadtbild. Start der Tour war das Office an der Waterfront. Wir sicherten uns einen Platz auf dem offenen Dach, um uns bei strahlend blauen Himmel und grenzwertig heißen Temperaturen die Stadt aus der Vogelperspektive angucken zu können. Von der Waterfront aus führte uns der erste Teil der Tour über die Innenstadt mit den vielen Museen, den Company Gardens, dem Südafrikanischen Parlament, dem Castle of good Hope, dem Rathaus und dem District Six hinauf zum Fuße des Tafelbergs. Sehr bedrückend war die Fahrt durch den District Six. Es ist eine verwucherte Brache mitten in der Stadt und das Relikt aus den Jahrzehnten der Apartheidspolitik. Anfang der 1960er Jahre wurde dieses Gebiet zum Wohngebiet für Weiße erklärt und die schwarze, dort lebende Bevölkerung, in Townships zwangsumgesiedelt. Die Begründung war, dass man nur so Herr der Kriminalität werden könne. Alle Wohnhäuser wurden daraufhin abgerissen. Doch auch der Großteil der Weiße Bevölkerung lehnte diese Maßnahme ab und wollten hier nicht mehr bauen. Heute kehren die Vertriebenen wieder langsam zurück. Es wird aber noch lange dauern bis der Prozess der Rückbesiedlung abgeschlossen ist.
Der zweite Teil der Tour führte uns dann vom Fuße des Tafelbergs über Küstenstrassen auf die andere Seite der Stadt nach Camps Bay und über Cliffton, Bantrys Bay und Sea Point zurück an die Waterfront in Green Point.
Kapstadt ist bekannt für seine vielen Märkte. Am Samstag suchten wir aufgrund eines Tipps, den Neighbourhoods Marktet in Woodstock auf. Der Markt findet immer samstagmorgens auf einem Industriegelände statt. Es gab viel zusehen und natürlich zu essen. Viele niedliche kleine Stände, liebevoll zu Recht gemacht und mit Köstlichkeiten, dass man gar nicht wusste was man zu erst essen soll. Von Austern und Lachs über rustikales English Breakfast hin zu feinsten Kuchen und Törtchen. Es ist für Jeden etwas dabei! Mir hatte es das leckere selbstgemachte Müsli mit Joghurt und Früchten angetan. Danach gab es ein riesiges Sandwich, welches man sich selber mit frischen Zutaten belegen durfte. Draußen vor der Halle waren Heuballen aufgebaut, so dass man die Leckereien auch im Freien genießen konnte. Auf dem Gelände befindet sich auch die Old Biscuit Mill, eine alte Mühle in der mittlerweile viele kleine Boutiquen und Galerien untergebracht sind.
Am späten Nachmittag machte ich mich mit Kristina einer Freundin, die wie ich einen Teil ihres praktischen Jahres im New Somerset Hospitals ableistet, zum Bloubergstrand auf. Er ist von der Innenstadt ca. 30 km entfernt und ist ein bekannter Windsurf- und Kitesurfing Spot. Seinen Namen verdankt der Strand übrigens dem großartigen Blick auf den abends im bläulichen Dunst verschwimmenden Tafelberg, den man von dort von der Strandseite betrachten kann. Den Tag über genossen wir die Sonne und schauten uns die trickreichen Aktionen der Surfer vor der massiven Kulisse des Tafelbergs an. Überwältigend war dann aber der Abend. Laut Reiseführer wird der Strand für einen der spektakulärsten Sonnenuntergänge am Kap angepriesen. Der Reiseführer versprach nicht zu viel. Bei blauen Himmel und einer kleinen Wolkenkrone über dem Tafelberg sahen wir, wie die Sonne wie ein riesiger Feuerball im Meer versank und den Horizont wie in feuerrote Farbe tauchte!
Zu Beginn der zweiten Woche machte ich mir erstmal ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. Nach dem mir einer der Studenten von einer tollen Joggingstrecke erzählt hatte und meine alten Joggingschuhe in Hamburg das zeitliche gesegnet hatten, kaufte ich mir kurzerhand Neue. Seither bin ich auch wieder sportlich unterwegs und genieße mit vielen sportbegeisterten Kapstädtern die Joggingstrecke entlang der Sea Point-Promenade.
Am Mittwoch waren wir dann mal wieder mit der ganzen Studentenmannschaft aus der Unterkunft unterwegs. Ziel unserer Reise war die Long Street, ein Straßenzug mit vielen Clubs, Restaurants und Bars, der sich abends wie eine bunte Partymeile präsentiert. Hier trifft sich Kapstadt zum feiern! Wir brachten den Abend in einem sehr netten Jazz-Club mit leckeren Cocktails und toller Lifemusik.
Am nächsten Tag stand, nach dem ausschlafen und frühstück, Kultur auf dem Programm. Anlass bot der „Tag der Versöhnung“ (16.12), der uns einen weiteren freien Tag ermöglichte. Wir machten uns also auf den Weg in die Innenstadt, um den Southafrican Museum einen Besuch abzustatten. Das Museum dokumentiert Kultur und Natur des afrikanischen Kontinents und ist das älteste Museum im südlichen Afrika. Highlight sind ein 20 m langes Blauwalskelett und eine traumhafte Fotoausstellung mit tollen Naturfotos.
Nach der Ausstellung schlenderten wir durch die angrenzenden Company Gardens, ein mitten in der Stadt gelegener wunderschöner Park, Richtung Innenstadt.
Da eine Museumstour bekanntlich sehr hungrig macht, suchten wir den Eastern Market auf. Hier zeigte sich einmal wieder, wie viele unterschiedliche Kulturen sich in Kapstadt vereinigen. Der Markt ist eine Art kulinarische Meile auf der man die verschiedensten ostasiatischen Spezialitäten bekommt und das sogar für studentische Preise. Ein Hauptmenü
kostet im Schnitt 35 Rand (ca. 4 Euro)
Am folgenden Tag stand dann schon wieder das nächste Highlight auf dem Programm. Geladen wurde zur Weihnachtsfeier der PJ-Studenten aus unserem Krankenhaus. Es war der absolute Knaller! Sie hatten für ca. dreißig Leute ein großes Speedboot gemietet mit dem wir von der Waterfront aus der Küste entlang nach Cliffton- Beach gefahren sind. Wir sind direkt in den Sonnenuntergang gefahren. Ich weiß gar nicht wie ich das, was ich da gesehen habe, in Worte fassen soll…es war der schönste Sonnenuntergang den ich in meinem Leben je gesehen habe. Dies alles wurde mit toller, stimmungsvoller Musik untermalt und dazu Häppchen und Champagner gereicht. Zum krönenden Abschluss musste ich eine Preisverleihung moderieren. Die Ehre kam mir zu Teil, da die Organisatorin mich aus der Orthopädie kennt und es keiner der hauseigenen PJ’ler, des Spaßfaktors wegen diese Aufgabe übernehmen sollte. Es wurden Preise verliehen unter anderem in den Kategorien sexiest male/ female oder most at risk to develope a psychatric disorder, super lustig! Um den Abend abzurunden und die hungrigen Mägen zu füllen ging es danach in das tolle kubanische Restaurant in der Nähe des Krankenhauses, welches wir schon von unserem ersten Wochenende kannten.
Da am nächsten Tag wieder sportliche Höchstleistungen gefragt waren, trat ich jedoch sehr zügig nach dem Essen den Rückzug an.
Am Samstag klingelte der Wecker bereits um 6 Uhr, da Kristina und ich uns zu einer geführten Mountainbike-Wein-Tour in Stellenbosch angemeldet hatten. Eine absolut traumhafte Gegend, aber mit 35 Grad war es an diesem Tag schon ziemlich heiß. Gut, das wir ein bisschen Abkühlung durch den Fahrtwind hatten. Treffpunkt war morgens um 7 Uhr in einem Cafe in der Long Street. Mit einer Gruppe bestehend aus ca. 10 Leuten, machten wir uns mit dem Zug von Kapstadt auf nach Stellenbosch. Die Tour führte von dort mit dem Mountainbike zu 4 unterschiedlichen Farmen der Region mit Wein- und Brandy-Verkostung. Es gab zwei verschieden lange Touren. Auf Grund unserer sportlichen Ambitionen entschieden wir uns jedoch für die längere, 21 km lange Tour. Auf jeder Farm wurden wir bereits erwartet und fachmännisch über die Weine des Hauses aufgeklärt. Doch auch die Guides wussten auf der Fahrt durch die Weinlandschaft einem die Einzigartigkeiten der Region näher zubringen. Zum Mittagessen kehrten wir in einem herrlich gelegenen Restaurant, in mitten der Weinlandschaft, ein. Dies war zu diesem Zeitpunkt auch bitter nötig, da nach der Brandy-Verkostung und einem ordentlichen Anstieg, der Alkohol seine Wirkung voll entfaltet hatte. Am Ende der Tour gab es dann noch eine Flasche Wein als Andenken. Ziemlich ausgepowert und angeschwipst, kamen wir am frühen Abend wieder am Bahnhof in Kapstadt an.
Den Sonntag nutzte ich dann, um mich von den vielen Eindrücken der letzten Tage zu erholen und ein bisschen Schlaf nachzuholen. Denn am Abend stand schon wieder Programm an. Diesmal ging es in die botanischen Gärten nach Kirstenbosch, die ich ja schon vom Mango Groove Konzert kannte. Diesmal waren wir anlässlich der „Kirstenbosch Carols bei Candlelight“ anwesend. Grund dafür war, dass man wegen des doch für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Klimas schwer in Weihnachtsstimmung kommen möchte. Das Konzert hatte jedoch seinen gewünschten Effekt. Obwohl wir schon sehr früh dort waren, bekamen wir wie schon beim Mango Groove Konzert nur Plätze im hinteren Bereich der Wiese. Dies sollte sich aber nach Einbruch der Dunkelheit, durch die Hanglage, als Vorteil herausstellen. Wir machten es uns also mit unseren Decken und dem leckerem Picknick gemütlich und hörten uns das Vorprogramm an. Als es langsam zu dämmern begann, ging es zum eigentlichen Weihnachtssingen über. Im Schein des Kerzenlichts von ca. 6000 Menschen sangen wir begleitet von einem Kirchenchor Weihnachtslieder. Dazu Vollmond, keine Wolken, im Hintergrund die Rückseite des Tafelbergs und ein wunderschöner Blick auf die Lichter Kapstadts. Wir hatten alle Gänsehaut! Geschlossen wurde das Konzert mit „Silent Night“, so dass auch der Letzte mit Weihnachtsgefühlen nachhause entlassen werden konnte.
Diese Woche begann am Montag mit einer Wanderung auf den Lion’s Head. Der Lion’s Head ist ein Gebirgszug rechts des Tafelbergs. Der Name rührt daher, wie die Übersetzung schon vermuten lässt, weil dieser wie ein Löwe aussieht. Dazu verabredet hatte wir uns mit den südafrikanischen Pj’lern, mit denen wir ja schon auf dem Boot-Trip waren. Wir hatten uns diesen Tag ausgesucht, weil Vollmond war und dies immer ein besonderes Erlebnis ist, dies dort oben mit der Aussicht über ganz Kapstadt zu erleben. Nach einem sehr steinigen und teilweise akrobatischen Aufstieg, erreichten wir rechtzeitig zum Sonnenuntergang den Aussichtspunkt des Lion’s Head. Wenn alle anderen Sonnenuntergänge, die ich bis jetzt hier erleben durfte traumhaft waren, dann dieser in jedem Fall. Das Besondere ist aber, dass auf der einen Seite die Sonne untergeht und auf der anderen der Mond auf. Ein unvergessliches Bild bietet sich dann, nachdem die Sonne vollständig untergegangen ist. Kapstadt in seiner ganzen Schönheit mit all den Lichtern und darüber thront der Vollmond. Da wir keine Wolken hatten konnten wir bis nach Stellenbosch gucken. Einfach traumhaft!
Gestern waren wir dann noch zum zum “Braii” (Grillen, die Lieblingsbeschäftigung der Südafrikaner) bei deutschen Medizinstudenten, die wir auch aus dem Krankenhaus kennen, eingeladen. Philine und Tillin wohnen in einer Villa in Gardens mit Pool und Dachterrasse direkt unter dem Tafelberg. Die Vermieter haben keine Kinder, aber freuen sich immer, wenn sie nette junge Leute um sich haben.
Habe seit zwei Tagen jetzt auch endlich ein Auto. Einen kleinen, weißen Ford. Geht echt gut, obwohl das am Anfang echt eine Umstellung war mit dem Linksverkehr!
Als abschließende Worte möchte ich natürlich allen ein wunderschönes Weihnachtsfest und ein tollen Rutsch ins neue Jahr wünschen!
Wir werden heute, nach dem wir unsere Wichtelgeschenke hier Studentenwohnheim ausgetauscht haben, zum Weihnachtsessen nach Stellenbosch fahren.
Merry Christmas und alles Liebe, Sebastian